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  Der Herr der Ringe: Die Eroberung

Nach dem Motto „Battlefield meets Middle Earth“, versprach der Entwickler Pandemic Studios die Portierung des klassenbasierten Battlefield-Gameplay auf den bekanntesten Schlachtfeldern Mittelerdes. Hörte sich damals interessant und vielversprechend an, die Realität belehrte aber eines Besseren. Der Multiplayer verdient seinen Namen mit gerade einmal maximalen 16 Spielern nicht und der Singleplayer bietet zwar die Masse an Gegnern, dafür aber mit einer trauriger KI.

Doch das sind nicht die einzigen Kritikpunkte, die aus einer epischen Schlacht ein trauriges Scharmützel gemacht haben.


Gut oder böse?


In der Solo-Kampagne von Herr der Ringe: Die Eroberung darf man die epischen Schlachtfelder von Herr der Ringe betreten und dort in den Reigen des Guten oder aber auch des Bösen kämpfen. Egal ob Helms Klamm, Isengart, die Minen von Moria oder das Schwarze Tor, fast alle größere Schauplätze darf man einmal besuchen. Auf Seiten des Bösen darf man sogar den Hobbits im Auenland ein Besuch abstatten, was den ein oder anderen Tolkien-Fan ein Schauder über den Rücken jagen dürfte, denn die Vernichtung der kleinen sympathischen Wesen ist mit inbegriffen.



Alle die schon immer auf der Seite von Saruman, Sauron und Co standen und nun erfreut ihre Zähne gebleckt haben, müssen leider aber enttäuscht werden. Bevor man sich nämlich auf die Seiten des Bösen stellen darf, um Tolkiens Geschichte Ab absurdum zu führen, muss man sich erst durch die Missionen der Guten Seite kämpfen. Hat man alle Gute-Missionen erfolgreich bestanden, wird die Kampagne des Bösen freigeschalten.

Um die Geschichte also umschreiben zu können, muss man viel Geduld und Nerven besitzen. Die Solo-Kampagne macht es dem Spieler nämlich nicht einfach und der ein oder andere wird es nicht erleben, wie es sich anfühlt die innere Bestie in sich zu entfesseln.

Grund für das entnervte Aufgeben sind Spaßbremsen wie das Fehlen einer Speichermöglichkeit, sodass man beim Vermasseln einer Mission das ganze Level noch einmal wiederholen darf. Erst wenn man ein Level komplett bestanden hat, wird automatisch gespeichert. Auch wiederholen muss man ein Level, wenn man eine bestimmte Anzahl an Leben verbraucht hat. Die sollten zwar im Normalfall reichen, sterben kann man allerdings schnell und ohne große Gegenwehr. Wer zum Beispiel als Bogenschütze einen Nahkämpfer zu nah an sich ranläßt, der steht nach den Hagel an Schlägen der darauf folgt, kaum wieder auf. Auch wenn man mal in die Griffe eines Monsters gelangt, ist es um das Leben geschehen. Zwar sehr realistisch, in manchen Situationen aber sehr ernüchtern.

Die KI der Computer-Mitstreiter ist leider so schwach, das man Hilfe von ihnen nicht erwarten darf. Gerade die Magier hätten gute Talente um den Krieger, beispielsweise mit Fähigkeiten wie Heilen oder ein Schutzschild gegen Pfeile, zu unterstützen. Leider profitiert man davon so gut wie nie.

Immerhin kann man die Solo-Kampagne auch mit Freunden durchspielen, sodass man so auch die unterschiedlichen Fähigkeiten der vier Klassen auskosten kann. Mit ihnen geht die Solo-Kampagne auch deutlich einfacher von der Hand.

Die oben aufgeführten Levels wirken vom Namen imposanter, als die letztendliche Präsentation im Spiel. So sind die meisten Levels winzig klein, der Außenbereich von Helmsklam beispielsweise wird durch lieblos herumstehende Orks hermetisch abgeriegelt. Wer nicht schnell genug umdreht, der stirbt kurzerhand automatisch - da wären wir wieder beim schnellen Sterben. Neben dem begrenzten Areal wirken die Levels statisch und langweilig. Imposant ist hier nur der erste Eindruck.

So lange die Missionen aber abwechslungsreich und spannend sind, kann man ja über vieles hinweg sehen. Man ahnt es aber schon, dass auch hier Herr der Ringe: Die Eroberung keine entscheidende Akzente setzen kann. Mehr als Standardaufträge wie: „Halte die Stellung“, „Besiege den Boss-Gegner“, „Besorge den Gegenstand X und liefere ihn bei Y ab“ oder „Vernichte Gebäude A“ ist nicht drin.
Eingebaut sind diese Missionen in der Herr der Ringe Geschichte, die auf dem Film von Peter Jackson basiert. So sind es auch kleine Filmsequenzen, die die Geschichte weitertreiben. Dieses Flickwerk an Filmschnipsel kann aber wohl kaum einen echten Herr der Ringe-Fan beeindrucken.


Individuelles Spielen


Gekämpft werden darf in Herr der Ringe: Die Eroberung mit einer von vier Klassen, die man am Anfang einer Mission, sowie an den Spawn-Punkten jeweils wechseln kann. Dabei darf man eine Auswahl zwischen Krieger, Bogenschütze, Magier oder Späher treffen.

Dabei agieren Krieger und Späher als Nahkämpfer, während mit dem Bogenschützen und, mehr oder weniger, dem Magier der Gegenpart als Fernkämpfer bereitstehen. Die Nahkämpfer wüten mit unterschiedlich starke Angriffe, verteilt auf die drei Maustasten, durch die Gegnermeute. Aus den drei Angriffsarten lassen sich verheerende Kombos kreieren, mit denen auch größere Mobs an Gegnern erheblich
dezimiert werden. Das Chaos und die Hektik, die zumindestens im Single-Player herrschen, sind aber nicht gerade dienlich für eine ruhige Hand, sodass die wenigsten Kombinationen auf Anhieb klappen. Was letztlich rauskommt ist eine wilde Klickerei, die zwar oft zum gewünschten Ergebnis führt, nämlich dem vernichten der Gegner, so aber bestimmt nicht beabsichtigt ist. Wirklich Sinn machen diese Kombos ohnehin nur bei Gegnergruppen. Einzelne Gegner kommen in den Genuss des dritte oder vierten Schlags erst gar nicht, da sie davor schon von den vorangegangenen Schlägen aus dem Angriffsfeld geschleudert wurden. Was bleibt ist ein wildgewordener Nahkämpfer der die Luft zu teilen versucht.

Für weitere Abwechslung sorgen Spezialangriffe, mit denen man deutlich mehr Schaden austeilen kann, die allerdings durch den Verbrauch von Energie begrenzt einsetzbar sind. Energie erhält man im Gegenzug beim Kampf gegen den Feind. So entflammt des Kriegers Schwert, oder der Späher macht sich unsichtbar und schleicht sich hinter den Feind um ihn heimtückisch zu ermorden. Letzteres kann ganz schön für Frust sorgen, denn selbst mächtige Helden sind nicht davor gefeit, hinterrücks von einem Späher mit einem Streich niedergestreckt zu werden

In Helden schlüpfen darf man übrigens beim Erreichen einer bestimmten Punktegrenze (Multiplayer) oder dann, wenn sie am dringendsten gebraucht werden (Kampagne-Modus). Während im Single-Player also jeder mal den Helden spielen darf, kommt im Multiplayer nur der Beste in den Genuss von Aragorn, Legolas oder Gandalf auf Seiten des Guten oder Saruman, Lurtz oder selbst Sauron auf Seiten des Bösen. Für den Spieler stehen neun Kämpfer des Lichts und sechs Schurken der Finsternis bereit.
Helden sind im Prinzip nichts anderes als die jeweilige aufgebohrte Standardklasse. Ein Legolas ist also ein Bogenschütze, der mehr Leben besitzt und mehr Schaden austeilt.

Neben diesen Standardklassen und den Helden stehen Reittiere (Pferde oder Wargs) sowie Höhlentrolle beziehungsweise Ents zu Verfügung. Während man auf die Reittiere getrost verzichten kann, da die Levels ohnehin winzig sind und das Kämpfen auf diesen lebendigen Transportmitteln unheimlich verkompliziert wird, ist das Spielen eines Ents oder Höhlentrolles durchaus Spaßig und interessant. Um noch einmal den Vergleich zu Battlefield aufzunehmen, sind die Ents und Höllentrollle die Panzer in Battlefield. Sie sind schwer und behäbig, teilen dafür aber auch kräftig aus. Ein Ent kann beispielsweise seinen Gegner schnappen, ihm das Genick brechen und anschließend die Leiche auf die Gegner schmeißen. Unbesiegbar sind diese Riesen aber nicht, im Gegenteil, Nahkämpfer können sich von hinten auf die Kreatur schwingen und dann einen verheerenden Schaden anrichten.
Wie auch schon bei den Helden muss klar sein, dass jede Spielfigur seine Schwächen haben muss, dass diese aber so offensichtlich und unabdingbar sind, kann für ganz viel Frust sorgen.


Technisch enttäuschend


Abgesehen vom Sound, wird man von der eingesetzten Technik enttäuscht. Es fängt bei der Kamera an und hört bei der Grafik auf.
Gespielt werden kann lediglich nur über den Schulterblick (Schon mal einen Balrog über die Schultern gesehen!?). Eine Ego-Perspektive bekommt man nicht zur Hand. Gerade diese wäre aber in bestimmten Situationen nötig, so kann man sich bei unübersichtlichen Stellen nur auf sein Gefühl verlassen und wenn man Pech hat, in den Tod stürzen. Bei Gegnermeuten kann es noch verzwickter werden, wenn man durch die ganze Kamera-Schwenkerei Gegner übersieht, oder diese im Rücken des Charakters angreifen.

Es ist nicht so, dass man von der Grafik Augenbeschwerden bekommen würde, einen Award verleihen wird man dafür aber auch nicht. Es scheint so, als wäre man von der Präsentation auf einem Level hängengeblieben, das vor ein bis zwei Jahren vielleicht noch etwas her gemacht hätte, zur heutigen Zeit aber altbacken aussieht. Vor allem die Clippingprobleme hätten doch nicht sein müssen. Zugegebenermaßen kann man von der Grafik beim ersten Blick betrogen werden, schaut man dann aber genauer hin, erkennt man die Trostlosig- und Lieblosigkeit, wie die Areale „zusammengeschustert“ wurden.


Spaß in der Gemeinschaft


Wer schnell aus der Singleplayer-Kampagne geflohen ist, der wird, sofern er das Spiel nicht sofort weglegen möchte, sich zwangsläufig im Multiplayer-Spiel wiederfinden. Dort kann man in drei Spielarten gegen menschliche Widersacher antreten. Im „Team-Deathmatch“ (wahlweise auch „Helden Team-Deathmatch“) geht es darum, so viele Gegner wie Möglich zu töten um so Punkte zu erhalten, in der „Eroberung“ muss man Kontrollpunkte einnehmen und kontrollieren, wodurch man wieder an Punkte gelangt und in „Finde den Ring“ erhält man Punkte für das Besitzen des einen Ringes.



Dennoch gibt es auch Kritikpunkte beim Multiplayer-Modus, so sind die maximalen acht-gegen-acht Fights zwar sehr intim, im Vergleich zu den riesigen Schlachten aus den Büchern und Filmen aber irgendwie unpassend. So wird auch im Multiplayer-Modus viel Potenzial verspielt, sodass dieser kaum jemand länger fesseln kann.
Seite 1 Fazit
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