Marcel Reich-Ranicki kritisierte vor ein paar Wochen unser deutsches Fernsehen. Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder auch „Popstars“ tragen eine große Mitschuld. Sie sind dennoch ein Publikumsmagnet und ziehen mit ihren Castings dutzende junge euphorische Menschen an, die endlich ihren Traum leben wollen. Unter all den mehr oder weniger guten Sängern könnte auch die Vampirin Mona aus „A Vampyre Story“ sein. Mit ihrem Wunsch eine berühmte Sängerin zu werden, überzeugte sie uns schon in der Preview. Nun konnten wir auch den Rest des Spieles genauer betrachten.
Mona ist auf den Betrüger Baron Shrowdy von Kiefer hereingefallen. Sie glaubte seinem Versprechen, vor einem großen Publikum in seinem Schloss zu singen. Stattdessen lebte sie seitdem gefangen. Als der Baron von Vampirjägern getötet wird, sieht Mona die Chance zu flüchten und schafft dies auch. Doch es ist noch ein langer Weg nach Frankreich.
Vorangebracht wird die Geschichte durch Videos und Dialoge. Während ihr in den Dialogen hauptsächlich Hintergrundinformationen erfahrt, erzählen die Videos die Hauptgeschichte. Die Videos wurden aufpoliert und sehen so noch ein Stück besser aus als die schicke Grafik.
In den zwei Kapiteln wird sehr viel klassisch mit der Maus gerätselt. Wer es eilig hat, kann zusätzlich die Leertaste benutzen, um die perfekt animierten Bewegungen Monas zu überspringen. Klickt ihr auf ein Objekt, erscheint ein Aktionskreuz, auf dem ihr auswählt, ob ihr es benutzt, damit sprecht, es anschaut oder zu diesem hinfliegt. Euer Inventar öffnet ihr mit der rechten Maustaste. In dem schicken Sarginventar sammelt sich von Zeit zu Zeit einiges an. Doch nicht nur Gegenstände, sondern auch Erinnerung an Passwörtern, Gegenständen oder Kombinationen. Denn welche Dame will sich schon den Rücken kaputt machen? Dann läuft man lieber ein wenig mehr, muss aber nicht all zu viel mit sich tragen, einem guten Gedächtnis sei dank. Natürlich müsst ihr nicht mit ansehen, wie Mona die ganze Strecke zu einem Gegenständ zurück läuft, stattdessen fliegt sie schnell zu dem benötigten Gegenstand.
Entwickelt wird Vampyre Story von Autumn Moon, eine neu gegründete Firma ehemaliger Lucas Arts Mitarbeiter. Lucas Arts steht für viele Kultadventures, die sich alle wieder in „A Vampyre Story“ finden lassen. Nicht der Grafiksil ist entscheidend, sondern hauptsächlich der Humor |
 |
 |
 |
und die skurillen Charaktere. Eine arrogante Katze, eine sprechende eiserne Jungfrau oder eine mysteriöse Wahrsagerin tragen sehr viel zum Humor bei. Es gab lange kein Adventure mehr, das so viel Wert auf gelungene Seitenhiebe, Witze oder Anspielungen gelegt hat. Während Mona fast immer sachlich bleibt, hat ihr kleiner Begleiter Froderick jeder Zeit einen lustigen Kommentar parat.
Wenn nichts hilft, einfach mal probieren
|
A Vampyre Story ist in zwei Kapitel aufgeteilt und die haben es wirklich in sich. Durch fehlende Hilfestellungen, werden es alle Einsteiger schwer haben. Eine Funktion zur Anzeige aller Hot Spots wurde integriert. Leider wird man oft schnell durch die Fülle der Hot Spots erschlagen. Viele dieser versprechen viele lustige Anspielungen, Einsteiger werden mit so einer Menge aber überfordert sein. Die sehr vielen Kombinationsrätseln sind sehr oft nur lösbar, wenn man um die Ecke denkt, die sehr versteckten Tipps in den Dialogen bemerkt hat oder einfach ausprobiert. Hat man es dann endlich mal geschafft und schon die Lösung vor Augen sieht, steht man plötzlich wieder vor einem neuen Problem. In einen der einfacheren Rätseln im ersten Kapitel, erfahrt ihr zum Beispiel nach einem Gespräch mit aufständischen Ratten, welche Bücher notwendig sind, um einen Geheimgang zu öffnen. Mit Freudentränen in den Augen macht ihr euch auf den Weg in den Arbeitsraum, um letztendlich herauszufinden, dass noch ein einziges Puzzelteil zur Lösung fehlt. Doch nach dem einzigen Puzzelteil, folgt sicherlich nochmal eines. Rätselfreunde werden ihren Spaß haben, während Einsteiger voller Frust schnell zur Lösung greifen.
Geübte Adventure-Freunde werden zehn Stunden beschäftigt sein und müssen sich am Ende mit einem Cliffhanger zufrieden geben. Dafür kann man sich danach umso mehr auf einen Nachfolger freuen, wenn man nicht an die Entwicklungszeit des ersten Teiles denkt.
Das erste Kapitel spielt durchgehend im Schloss. Dort erkundet ihr Folterkammern, Speisesäle oder auch geheime Höhlen. Im zweiten Kapitel habt ihr die Burg hinter euch gelassen und erkundet das nahe gelegene verschneite Dorf. Die kräftigen, aber gleichzeitig dunklen Farben erzeugen mit der dynamischen Beleuchtung eine wunderbare Atmosphäre. Die verschneiten Häuser könnten aus einem Märchenbuch entsprungen sein. Der 2,5-D Grafikstil, lässt die Figuren sehr schön mit der Umgebung verschmelzen. Mit den weichen Bewegungen von Mona, Froderick und den anderen Figuren, entsteht ein Gesamtbild, das sich sehen lässt.
Die Synchronisation ist auch am deutschen sehr gut gelungen. Monas Stimmt passt im deutschen sogar besser, als im englischen, während Frodericks Stimme im Englischen ein kleines Stück besser ist. Da beide Sprachausgaben installiert werden können, kann jeder selbst entscheiden, was ihm lieber ist. Die Hintergrundmusik wurde passend komponiert und stört in keinem Fall.
|